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Piano Heroines

2026Alpha ClassicsALPHA1231

Werke von Fanny Mendelssohn (Hensel), Amy Beach, Clara Schumann, Florence Price

Claire Huangcis Album Piano Heroines ist eine herzliche Würdigung von vier bemerkenswerten Komponistinnen — Fanny Hensel, Clara Schumann, Amy Beach und Florence Price — deren Stimmen trotz außergewöhnlicher Widrigkeiten fortbestanden.

Pressestimmen

A superb album, smartly programmed and brilliantly played.

'Fireflies' is beguiling - as is Huangci's liquid touch.

Booklet & Bilder

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Heroines Booklet CD Piano

Tracklist

  1. 1
    Fanny Mendelssohn: Capriccio in B Minor, H. 349, H. 349I. Andante
    1:31
  2. 2
    Fanny Mendelssohn: Capriccio in B Minor, H. 349, H. 349II. Allegro molto
    3:58
  3. 3
    Fanny Mendelssohn: Das Jahr, H. 385, H. 385No. 2, February. Scherzo
    2:42
  4. 4
    Fanny Mendelssohn: Das Jahr, H. 385, H. 385No. 5, May. Frühlingslied
    2:28
  5. 5
    Fanny Mendelssohn: Das Jahr, H. 385, H. 385No. 6, Juni. Serenade
    4:44
  6. 6
    Fanny Mendelssohn: Das Jahr, H. 385, H. 385No. 9, September. Am Flusse
    2:42
  7. 7
    Amy Beach: Fantasia Fugata, Op. 87I. Allegro vigoroso
    1:54
  8. 8
    Amy Beach: Fantasia Fugata, Op. 87II. Fuga. Allegro moderato
    3:16
  9. 9
    Amy Beach: Cradle Song of the Lonely Mother, Op. 108
    3:56
  10. 10
    Amy Beach: Four Sketches, Op. 15No. 1, In Autumn
    2:09
  11. 11
    Amy Beach: Four Sketches, Op. 15No. 2, Phantoms
    1:47
  12. 12
    Amy Beach: Four Sketches, Op. 15No. 3, Dreaming
    4:29
  13. 13
    Amy Beach: Four Sketches, Op. 15No. 4, Fire-Flies
    2:48
  14. 14
    Clara Schumann: Soirées musicales, Op. 6No. 2, Notturno
    3:57
  15. 15
    Clara Schumann: Quatre pièces caractéristiques, Op. 5No. 2, Caprice à la Boléro
    3:26
  16. 16
    Clara Schumann: Quatre pièces caractéristiques, Op. 5No. 4, Scène fantastique
    4:12
  17. 17
    Clara Schumann: Piano Concerto in A Minor, Op. 7II. Romanze (with Tristan Cornut, cello)
    3:40
  18. 18
    Clara Schumann: Soirées musicales, Op. 6No. 6, Polonaise
    3:13
  19. 19
    Florence Price: Fantasie Nègre No. 2 in G Minor
    6:24
  20. 20
    Florence Price: Meditation
    2:14
  21. 21
    Florence Price: Waltz of the Spring Maid
    3:12
  22. 22
    Florence Price: Your Hands in Mine
    2:59
  23. 23
    Florence Price: Cotton Dance
    3:04

Aus dem Booklet

HELDINNEN — VON CLAIRE HUANGCI

Was definiert musikalische Heldinnen? Ist es ihre Ausdruckstiefe, die Kraft ihrer Stimmen oder ihre Entschlossenheit, sich in einer Welt Gehör zu verschaffen, in der sie oft auf Widerstand stoßen?

Dieses Album entstand aus einem ersten Eindruck im Jahr 2019, als ich anlässlich ihres 200. Geburtstags Clara Schumanns Klavierkonzert einstudierte. Ihre Kühnheit und Klarheit als junge Komponistin beeindruckten mich unmittelbar, und ich wollte mehr über ihr Klavierwerk erfahren. Aus dieser Idee entwickelte sich nach und nach ein größeres Projekt, in dessen Mittelpunkt vier bemerkenswerte Frauen stehen: Fanny Hensel, Clara Schumann, Amy Beach und Florence Price. Meine Entscheidung bezieht sich nicht nur auf ihre persönlichen Lebensumstände und ihre Musik. Da ich in den USA geboren und aufgewachsen bin und seit 2007 in Deutschland lebe, spiegelt die Zusammenstellung von zwei amerikanischen und zwei deutschen Komponistinnen in gewisser Weise meinen eigenen künstlerischen Werdegang wider.

Obwohl alle vier der romantischen Tradition zuzuordnen sind, unterscheiden sich ihre Kompositionsstile deutlich voneinander. Jede von ihnen hinterließ nicht nur reichhaltige und innovative Klavierwerke, sondern trug auch dazu bei, die Möglichkeiten von Frauen in der Musikgeschichte zu prägen. In ihrer Musik hören wir nicht nur Geschichte, sondern vor allem Transformation.

Fanny Hensels Stil weist häufig Parallelen zu dem ihres Bruders Felix Mendelssohn auf – elegant, spritzig und lyrisch. Ihr Capriccio sprüht vor Spontaneität, während die ausgewählten Monate aus ihrer Suite Das Jahr sich sowohl durch Intimität als auch Brillanz auszeichnen. Beim Einstudieren dieser Werke musste ich oft lächeln, weil ich vertraute Wendungen und musikalische Zitate wiedererkannte, bevor die Komponistin sie in etwas ganz Eigenes umformte.

Clara Schumanns Jugendwerke, die in einer Zeit des engen künstlerischen Austauschs mit Robert Schumann entstanden, zeugen von einer selbstbewussten Stimme und außergewöhnlichen pianistischen Fähigkeiten. Die ausgewählten Miniaturen bieten eine große charakterliche Bandbreite und vielfältige Klangfarben, von dramatisch bis raffiniert. Ein besonderer Titel ist der zweite Satz ihres Klavierkonzerts – ein inniges Duett mit dem Violoncello, das mit einem einsamen Klavier beginnt und in einer schwebenden Harmonie endet.

Erst vor kurzem habe ich begonnen, mich mit der Musik von Amy Beach zu beschäftigen, und das war eine echte Offenbarung. Nachdem ich ihre Variations on Balkan Themes eingespielt hatte, wandte ich mich ihren kürzeren Werken zu. Ihre Four Sketches haben mich vom ersten Augenblick an gefesselt – insbesondere Fire-Flies, das eindeutig von Liszts Feux Follets inspiriert ist, einem Lieblingsstück aus meiner Studienzeit. Zu Beginn der Fantasia Fugata, einer Hommage an Scarlatti, steht eine scherzhafte Danksagung an die Familienkatze Hamlet für den „Versuch“, sie zu einem Fugenthema zu inspirieren.

In Florence Prices Klangsprache verschmelzen romantische Wärme mit den Rhythmen und Farben afroamerikanischer Volksmusik. Ihre Solostücke – lyrisch, temperamentvoll und stilistisch sehr abwechslungsreich – vermitteln dieselbe emotionale Unmittelbarkeit wie ihr Klavierkonzert. Fantasie Negre 2, Cotton Dance, Meditation und Your Hands in Mine eröffnen unterschiedliche Einblicke in das Schaffen einer Komponistin, deren Werke von Stolz und Widerstandskraft geprägt sind.

Die Lebensumstände, mit denen diese Frauen konfrontiert waren, sind für moderne Frauen in diesem Metier kaum vorstellbar. Clara Schumann war Mutter von acht Kindern und Hauptverdienerin der Familie, und sie war ständig auf Tournee. Fanny Hensel komponierte größtenteils im Privaten und veröffentlichte ihre Werke oft unter dem Namen ihres Bruders. Amy Beachs Karriere wurde während ihrer Ehe praktisch zum Erliegen gebracht; erst nach dem Tod ihres Mannes konnte sie auf die Bühne zurückkehren. Florence Price war sowohl rassistischer als auch geschlechtsspezifischer Diskriminierung ausgesetzt und zog später zwei Kinder alleine groß. Ihre Musik existiert nicht nur trotz ihrer Umstände, sondern oft gerade deswegen.

Diese Spannung zwischen Privatleben und künstlerischem Ehrgeiz hallt auch heute noch nach. Ich habe dieses Album im brütend heißen Juli 2025 aufgenommen – nur wenige Wochen vor der Geburt meines zweiten Kindes. Die Last war in jeder Hinsicht spürbar: körperlich, emotional und musikalisch, aber in gewisser Weise fühlte sich das passend an. Diese Komponistinnen mussten so große Lasten tragen und schenkten der Welt trotz allem ihre Musik. Mit Heroines möchte ich ihnen wieder Gehör schenken – und meine Stimme zu den ihren hinzufügen.

FRAUEN IN DER KUNST — VON NICOLAS DERNY

Da Fanny Hensel, geborene Mendelssohn, aufgrund ihres gehobenen gesellschaftlichen Standes nicht professionell komponieren konnte, schrieb sie in einem privateren Rahmen. Obwohl sie recht fortschrittlich war, hatte sie nicht das Gefühl, die „Kraft“ zu besitzen, ihre Ideen in großen Dimensionen zu entwickeln. Aus diesem Grund, so erklärte sie ihrem Bruder Felix am 17. Februar 1835, fühle sie sich zu kleinen Formen hingezogen – in diesem Brief bezog sie sich auf Lieder. Im Jahr 1841, also 35 Jahre vor Tschaikowskis Jahreszeiten, skizzierte sie die einzelnen Monate im Zyklus Das Jahr, einem Weihnachtsgeschenk für ihren Ehemann Wilhelm Hensel.

Handelt es sich bei diesen Werken um einen Bilderbogen in Form eines Musikkalenders? Es gibt Meinungen, wonach einige Vignetten des Zyklus als Anspielungen auf das Leben der Künstlerin zu verstehen seien. Das Manuskript wurde im Folgejahr überarbeitet und von ihrem Ehemann, dem Hofmaler Wilhelm Hensel, illustriert; den einzelnen Sätzen stehen jeweils Auszüge aus deutschen Gedichten voran. So scheint der Februar an Eindrücke aus dem römischen Karneval zu erinnern, den sie während ihres Aufenthalts in der Ewigen Stadt im Jahr 1839-40 erlebt hatte. Während dieser Zeit begegnete sie Gounod und Ingres und komponierte das Capriccio H.349. Das Scherzo, von dem hier die Rede ist, macht jedoch keinen Hehl aus der Nähe zur Ästhetik Felix Mendelssohns. Es scheint sogar das Lied ohne Worte Op. 67 Nr. 4 ihres Bruders aus dem Jahr 1845 vorwegzunehmen.

Das leuchtende A-Dur macht den Mai frisch und anmutig, wobei ein Thema aufgegriffen wird, das bereits im düsteren Januar als ‚Leitmotiv‘ der Sammlung angekündigt wurde. Im Juni, der hier in der ersten Version zu hören ist, wird eine Serenade „zu dritt“ gespielt. Die Melodie wird dabei dem mittleren Register anvertraut, zwischen einer Basslinie in der linken Hand und Arpeggien in der rechten (Takt 88-118). Es handelt sich um eine von Thalberg populär gemachte Textur, die auch im September zu hören ist, einer Neuinterpretation von Goethes An der Mond („Fließe, fließe, lieber Fluß! Nimmer werd‘ ich froh“). Die Sechzehntelnoten dieses Andante con moto in tristem h-Moll symbolisieren den unterbrochenen Flusslauf.

Fräulein Wieck

Clara Wieck ist eine weitere deutsche Komponistin im Programm dieser Aufnahme. Sie brachte ihre eigenen Werke schon lange vor dem Kontakt zu Robert Schumann zu Papier: Ihr Opus 1 erschien, als sie nur zehn Jahre alt war. Sie war sechzehn, als sie ihre Caprice à la Boléro schrieb, deren rhythmisches Motiv über einen Repetitionston allerdings nichts authentisch Spanisches an sich hat; ihr Ballet des Revenants (Ballett der Wiedergänger) entstand zur gleichen Zeit und bewegt sich zwischen halluzinierten Visionen und einem makabren Tanz der Irrlichter. Das unmittelbar danach entstandene Notturno (das Robert Schumann in seiner Novelette Op. 21 Nr. 8 zitiert) und die Polonaise aus den Soirées musicales Op. 6 lassen deutliche Anklänge an Chopin erkennen. Ebenso wie das Klavierkonzert Op. 7, bei dem man durchaus davon ausgehen kann, dass der Dialog zwischen Klavier und Cello im Mittelteil der Romanze Brahms zu seinem Andante aus dem Klavierkonzert Nr. 2 Op. 83 inspiriert hat. Durch ihr Leben als Ehefrau, Mutter und Musikerin war die Künstlerin später gezwungen, das Komponieren zu vernachlässigen. Da sie letztendlich davon überzeugt war, dass eine Frau nicht wie ein Mann komponieren könne, gab sie es endgültig auf.

Aus der neuen Welt

Die ebenfalls hochbegabte Amy Marcy Cheney gab ihre ersten Klavierkonzerte im Alter von sieben Jahren, wobei sie gerne eigene Kompositionen in ihre Darbietungen einbezog. Anschließend vervollkommnete sie ihre Ausbildung in Boston bei Ernst Perabo und Carl Baermann, die Schüler von Moscheles und Liszt gewesen waren. Im Jahr 1886, als ihre Karriere als Solistin gerade erst in Fahrt gekommen war, wurde sie durch die Heirat mit dem 24 Jahre älteren Arzt Henry Harris Aubrey Beach jäh zum Erliegen gebracht. Abgesehen von seltenen Benefizkonzerten konnte sie lediglich komponieren – wofür sie ihrem Ehemann später dankbar war, da sie so gezwungen war, ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet weiterzuentwickeln. Wie bei Fanny Hensel enthält jede ‚Skizze‘ aus ihren Four Sketches Op. 15 (1892) ein Epigramm. In Autumn bezieht sie sich auf das Gedicht L’automne (Der Herbst) aus Alphonse de Lamartines Méditations poétiques („Feuillages jaunissants sur les gazons épars“ – „Gelb verfärbtes Laub auf verstreuten Rasenflächen“) und kontrastiert dabei dessen Aussage: Während der Dichter den Herbst als Übergang vom Leben zum Tod beschreibt, schafft Amy Beach vielmehr zarte Variationen über die Farben dieser Jahreszeit, in der die Blätter im Wind tanzen. Das Allegretto scherzando mit dem Titel Phantoms ist mit Worten Victor Hugos versehen („Toutes fragiles fleurs, sitôt mortes que nées“ – „Zerbrechliche Blumen, kaum geboren schon verwelkt“). Der Satz klingt tänzerisch, ohne weiter auf den Sensenmann Bezug zu nehmen, der im Gedicht Fantômes aus Victor Hugos Sammlung Les Orientales ein junges Mädchen beim Verlassen eines Balls mit sich nimmt.

„Tu me parles du fond d’un rêve“ – „Du sprichst zu mir aus den Tiefen eines Traums“: Victor Hugos Gedicht Les Contemplations liefert das Motto für Dreaming, ein Wiegenlied, das Rachmaninow möglicherweise gefallen hätte, das aber viel weniger seltsam und beunruhigend ist als Amy Beachs späteres Klavierstück Cradle Song of the Lonely Mother (Wiegenlied der einsamem Mutter) aus dem Jahr 1924. Dem Satz Fire-Flies (Glühwürmchen) geht wieder ein Zitat de Lamartines voran: „Naître avec le printemps, mourir avec les roses“ (Mit dem Frühling geboren werden, mit den Rosen sterben). Dieser letzte Satz ist eine Anspielung auf Liszt (Feux follets) oder Chopin (Etude Op. 25 Nr. 6), der nach Aussage der Komponistin „funkelt, blinkt und leuchtet wie unzählige Glühwürmchen im Sommer“. Auch in der Fantasia Fugata (1923) ist Virtuosität gefordert. Wenn man der Überlieferung Glauben schenkt, beruht dieses Stück auf einem Motiv, das von Beachs Katze inspiriert wurde, die sich wie einst angeblich Scarlattis Haustier auf das Klavier gesetzt hatte (Sonate K 30).

Black Power

Florence Price, eine schwarze Amerikanerin aus Arkansas, wurde durch Sexismus und Rassismus in ihrer Karriere behindert. Obwohl sie nicht völlig unbekannt blieb, schrieb sie wesentlich mehr Werke, als gespielt und veröffentlicht wurden. Viele ihrer Manuskripte sollten erst 2009 in einem Haus in Illinois entdeckt werden, dem Bundesstaat, in den sie 1926 gezogen war. Da diese Autographe oft undatiert sind, ist es schwierig, sie zeitlich einzuordnen. Nur eine graphologische Untersuchung ermöglicht es, die Meditation mit einem Andante con espressione für Violine und Klavier in Verbindung zu bringen, das Ende Juni 1929 fertiggestellt wurde. Man könnte meinen, dass der etwas später entstandene Waltz of the Spring Maid (Walzer der Frühlingsjungfer) keine afroamerikanischen Elemente enthält, die das Markenzeichen der Komponistin sind – seien es authentische Melodien oder erfundene Wendungen. Mit dieser Einschätzung würde man jedoch bestimmte harmonische Farben ignorieren.

Zwischen Anklängen an Spirituals, Work Songs und virtuosen Fingerübungen im europäischen Stil komponierte Price 1932 drei ihrer vier Fantasies Nègres (Schwarze Fantasien), darunter die Nr. 2 in g-Moll. Der wahrscheinlich zu Beginn des folgenden Jahrzehnts komponierte Cotton Dance (Baumwolltanz) spielt auf Shortnin’ Bread an, möglicherweise ein Lied aus den Plantagen, das die Andrews Sisters 1938 mit ihrer Aufnahme einem breiten Publikum wieder näherbrachten. Die Musikerin kehrt viermal zu dem eher autobiografischen Your Hands in Mine (Deine Hände in den meinen) zurück, einer hochromantischen Liebesballade, die ursprünglich Memory Lane (Weg in die Erinnerung) hieß. Die Änderung des Titels lässt sich zweifellos dadurch erklären, dass die beiden späten Versionen aus der Zeit ihrer letzten Liebesbeziehung zu Beginn der 1940er Jahre stammen.